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Lebensmittel für Kinder oft zu süß, zu fett und teuer

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Lebensmittel für Kinder oft zu süß, zu fett und teuer

Lebensmittel für Kinder oft zu süß, zu fett und teuer

Beitragvon Oliver » So 9. Sep 2012, 01:02

Lebensmittel für Kinder oft zu süß, zu fett und teuer


Die Palette der Lebensmittel mit Spaßfaktor wird immer umfangreicher. Bärchenwurst, Fruchtzwerge und Knisterperlen im Joghurt sollen vor allem Kinder zum Konsum von Fun-Food animieren. Doch Ernährungsexperten und Verbraucherschützern vergeht bei der angeblich gesunden Kost häufig der Appetit. Mit Comics und Stickern, mit Sammelfiguren und auffälliger Verpackung locken Lebensmittelhersteller junge Kunden. Klassiker der Kinderkost sind Milchprodukte, fruchtsafthaltige Getränke und Frühstücksflocken.
Inzwischen gehören auch Tütensuppen, Fischkonserven und Nudeln zum Sortiment. Selbst die Fleischindustrie müht sich mittlerweile, ihren rückläufigen Wurstkonsum wieder anzukurbeln, beispielsweise mit einer „Bärchenwurst“ von Reinert, mit Schattenrissen der Comicfiguren von Tom und Jerry auf einer Brühwurstpastete der Fleischwarenfabrik Feldhues. Selten fehlt der Hinweis für Eltern, dass Kinderlebensmittel gesund seien, dass sie den Nachwuchs mit der „Extraportion Calcium“ oder dem „Plus für eine ausgewogene Ernährung“ besonders Gutes angedeihen ließen. Der süße Mix der Danone-„Fruchtzwerge“ wird zum kleinen Steak, Brauseexperten werten einen Ehrmann-Fruchtgummi-Joghurt zum „Knister-Spaß“ auf. Ernüchternd ist dagegen das Ergebnis einer Stichprobe der Verbraucherzentrale. Zwölf Kinderlebensmittel sammelte deren Redaktion dazu in einem Supermarkt ein. Im Einkaufswagen landeten sowohl Joghurts von Rhöngold und Ehrmann, zwei Kindergetränke „Fruchttiger“ und „Qoo“, Bärchenwurst, Pastete und Käse als auch Schokolade „Kinder Prof. Rino“, Frühstücksflocken „Dailycer“ von Harrison´s, Kuchenmeisters „Kinder Hörnchen“ sowie die Klassiker Danone-„Fruchtzwerge“ und Ferreros „Kinder Country Riegel“. Keins dieser Produkte mag Ursula Tenberge-Weber für Kinder empfehlen. Die Kritikpunkte der Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW: „Oft extra teuer und aufwendig verpackt, zu süß, zu fett.“ Auch mit Farb- und Aromastoffen geizten die Kinderlebensmittel selten. Dabei „brauchen Kinder keine Extrawurst“, versichert Tenberge-Weber, „weder eine fette noch eine süße.“ Gerade vor Zucker aber strotzen viele Produkte. In 100 Gramm „Rhöngold Happy Jogurt“ der Molkerei Fricke, mit einrührbaren „M&M´s Minis“ aus Schokolade, fand schon die Zeitschrift „Öko-Test“ mehr als 18 Gramm Zucker. Das sei vergleichbar mit einem Teetrinker, der sich eine kleine Tasse des Heißgetränks mit sieben Stück Würfelzucker versüße, weiß Tenberge-Weber. Zucker steckt auch satt in anderen Kinderlebensmitteln: im Ehrmann-Joghurt „Knister Spaß“, in Danone-„Fruchtzwergen“ wie im Mixgetränkt der Marke „Qoo“. Sogar Zuckeranteile bis zu 50 Prozent entdeckten Ernährungsexperten der Verbraucherzentrale abseits der aktuellen Stichprobe. In einer 30-Gramm-Portion sind somit 15 Gramm Zucker (rund sechs Stück Würfelzucker) enthalten. Dabei ist die Detektivarbeit nicht einfach. Oftmals fehlt der exakte Zuckergehalt auf dem Etikett. Dann können sich Konsumenten nur mit einer Eselsbrücke helfen. Ein Blick auf die Zutatenliste gibt einen Hinweis: Diese beginnt stets mit dem Hauptbestandteil des Produkts. Wenn in Schokocreme „36 Prozent gesunde Haselnüsse“ beworben werden, die Zutatenliste aber mit „Zucker“ beginnt, liegt dessen Anteil auf jeden Fall bei mehr als 36 Prozent. Zucker und Fett: Beide Kalorienbringer stecken en masse in Kinderlebensmitteln. Wenn etwa „Crrroco“-Käsescheiben 48 Prozent Fett enthalten, dann ist das für Ernährungsexperten keine ausgesprochen kindgerechte Kost. Da wundert es nicht, dass statistisch mittlerweile jedes fünfte Kind in Deutschland als übergewichtig oder fettsüchtig gilt. Die gleiche Zahl, so schätzen Experten, müsse als gefährdet angesehen werden. Mittlerweile schlagen sich übergewichtige Kids bereits mit einer Reihe von Leiden herum: beispielsweise Störungen des Fettstoffwechsels und Bluthochdruck, Beeinträchtigungen des Stütz- und Halteapparates sowie „Altersdiabetes“. Prävention ist daher dringend geboten. Verbraucherschützer fordern ein Werbeverbot in den TV-Kinderprogrammen und die deutliche Kennzeichnung des Nährwerts aller Lebensmittel. Ärgerlich zudem: Die Produkte „sind in aller Regel teurer als ihre normalen Varianten“, rügt die Verbraucherschützerin Tenberge-Weber. So kosteten beim Verbraucher-Aktuell-Einkauf 80 Gramm Bärchenwurst 99 Cent. Nebendran lagen 200 Gramm Geflügelmortadella für 55 Cent: und das „mit Pistazienstücken“. Heftig attackieren Ernährungsexperten auch die Mär von der gesunden Extraportion Calcium, die in den vielen Kinderlebensmitteln steckt. Wer seinen Calciumbedarf mit Frischmilch decke, lebe in der Regel gesünder als mit spezieller kost. So enthalten sowohl ein Viertel Liter Milch wie 100 Gramm Kinderschokolade jeweils 300 Milligramm Calcium, im ersten Fall aber mit 8,8, im zweiten mit 31,2 Gramm Fett angereichert. Charakteristisch für Kinderfänger ist außerdem die aufwendige Verpackung, oft verbrämt als „kindgerechte Einzelportionen“. In Minipacks stecken beispielsweise Frühstücksflocken von Harrison, Danone-„Fruchtzwerge“ wie „Prof. Rino“ und „Kinder Hörnchen“. Schon Kids würden damit hemmungslos zugemüllt und zum Weg-Werf-Verhalten verführt, kritisieren Verbraucherschützer. „Kinderlebensmittel nutzen vor allem den Vertreibern“, sagt Tenberge-Weber.

Ein Beweis:
Ungeniert versucht Coca Cola in der Zeitschrift „Lebensmittelpraxis“ den Handel für „Qoo“ zu begeistern – für „das erste sympathische Kindergetränk, das Ihre Kasse klingeln lässt“. „Eine abwechslungsreiche Kost versorgt Kinder mit allen Nährstoffen, die sie für ein gesundes, aktives Leben und Wachstum benötigen“, weiß Ursula Tenberge-Weber von der Verbraucherzentrale NRW. Abwechslungsreich heißt: Täglich fünf Portionen Obst und Gemüse, Milch und Milchprodukte sowie Brot, Bachwaren, Getreideflocken auf Vollkornbasis. Eine untergeordnete Rolle spielen dabei eher Fleisch, Fisch und Eier.



(Geringfügig gekürzte Pressemitteilung der Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und NRW vom 24. Juni 2003 – Die Vollversion ist zu finden unter www.ABA-Fachverband.org -> NAGEL-Redaktion -> Dokumente.)
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