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Wann ist ein Stromschlag gefährlich?

Wann ist ein Stromschlag gefährlich?

Beitragvon Oliver » So 7. Okt 2012, 10:17

Wann ist ein Stromschlag gefährlich?

Wer daheim Handwerker spielt, kann leicht eine „gewischt“ bekommen. Was Hobby-Tüftler beachten sollten

Kinder und Erwachsene sollten mit einem Föhn immer vorsichtig umgehen

Mel Gibson hat eine „gefackelt“ bekommen. Geschadet hat ihm das nicht, zumindest im Film. Im Kinohit „Was Frauen wollen“ fällt er samt Föhn in die Badewanne. Der Stromschlag bewirkt, dass er die intimsten Gedanken der Damenwelt vernimmt. In Wirklichkeit würde diese Szene wohl eher anders enden. Denn elektrischer Strom kann – gerade in Verbindung mit Wasser – für einen Menschen lebensgefährlich werden.

„Fließt der Strom durch das Herz, kann das Reizleitungssystem gestört werden“, weiß Dr. Walter Russ, Notarzt und Leiter von Erste-Hilfe-Seminaren aus Buch am Erlbach. Das Herz koordiniert seine Pumptätigkeit durch elektrische Reize, die das Organ erzeugt. Wird dieses fein abgestimmte System durch einen Stromschlag gestört, können Herzrhythmusstörungen auftreten, die mitunter in Kammerflimmern münden. Das Herz schlägt dann derart schnell, dass es nicht mehr effektiv Blut in den Kreislauf pumpt. Es kommt zum Herz-Kreislaufstillstand. Daneben droht durch den Strom auch die Lungenmuskulatur zu verkrampfen, was im schlimmsten Fall zum Atemstillstand führt.

Ab wann ein Elektrounfall, wie Experten einen Stromschlag nennen, gefährlich wird, hängt zum einen vom Weg ab, den der Strom durch den Körper nimmt. Zum anderen von der Stromart, der Spannung, der Einwirkzeit und der Stromstärke. Bei sogenannter Niederspannung (Haushaltsstrom) ist vor allem das Herz gefährdet. Bei Hochspannung (Hochspannungsleitung) stehen Verbrennungen – äußerlich wie innerlich – im Vordergrund. Je länger der Strom auf den Körper einwirkt, desto höher ist das Risiko für böse Folgen. Nicht nur das Herz kann dann in Mitleidenschaft gezogen werden. Verkrampfen auch die Muskeln, hängt der Betroffene an der Stromquelle regelrecht fest und steht somit dauerhaft unter Strom. Da bei einem Blitzschlag die Einwirkzeit extrem kurz ist, kann ein Mensch ihn überleben, obwohl oft eine sehr hohe Stromstärke vorliegt. Bei längerer Einwirkzeit wird bereits eine Stromstärke von schon etwa 20 Milliampere unter Umständen gefährlich.

Die meisten Stromunfälle passieren im Haushalt, in denen Niederspannung – üblicherweise 230 Volt – und Stromstärken zwischen 50 und 100 Milliampere herrschen. Mel Gibsons Föhn-Szene bereitet dabei heutzutage eher selten Probleme. „In Neubauten sind Badewannen normalerweise geerdet, außerdem gibt es einen Schutzschalter“, beruhigt Russ. Fällt der Haartrockner also tatsächlich ins Wasser, schaltet sich der Strom automatisch ab – oder anders gesagt: Die Sicherung fliegt raus. Gerade in Altbauten fehlen diese Sicherheitsmaßnahmen jedoch oft, deshalb gilt trotzdem erhöhte Vorsicht. Ein Elektrogerät gehört niemals in die Nähe von Wasser, sei es die eingelassene Badewanne oder das Waschbecken.

Deutlich öfter bekommen Mann und Frau eine gewischt, wenn sie sich als Handwerker betätigen. Einen Klassiker beschreibt Notarzt Russ so: Das Toastbrot hängt im Toaster fest, das Kabel verbleibt in der Steckdose, Er oder Sie versuchen mit einem Messer die geröstete Scheibe zu erwischen. Und dann funkt es. Ähnliche Zwischenfälle ereignen sich, wenn Glühbirnen ausgetauscht, Kaffeemaschinen gereinigt oder Wasserkocher zerlegt werden. Besonders alte oder nicht-fachmännisch reparierte Geräte und beschädigte Kabel stellen eine ernste Gefahr dar. Deshalb immer erst den Stecker ziehen und nur anfangen zu basteln, wenn sicher ist, dass das Gerät vom Netz getrennt ist. Besser ist allerdings, gleich einen Fachmann zu fragen oder ein neues Gerät anzuschaffen.

Kinder sollten nie an einer Steckdose herumhantieren. Zwar passiert laut Russ meistens noch nichts, wenn das Kleine die Stromquelle lediglich am Plastiküberzug berührt. „Stecken Kinder aber einen leitenden Gegenstand, etwa einen Schraubenzieher, in die Steckdose, wird es gefährlich“, warnt der Experte. Deshalb immer eine geprüfte Kindersicherung installieren!

Wer einen Schlag bekommt, sollte – auch wenn es ihm vermeintlich gut geht – grundsätzlich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Denn Herzrhythmusstörungen können auch verspätet auftreten. Wer direkt nach dem Stromunfall Herzrasen, Herzstolpern, Atemnot, oder ein Krampfgefühl in der Brust verspürt, muss sofort den Rettungsdienst rufen.

Kommt der Betroffene nicht von der Stromquelle los, sollte man folgendermaßen vorgehen: Erstens den Stromkreis unterbrechen. Also Stecker ziehen, Gerät ausschalten oder Sicherung herausnehmen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass auch der Helfer einen Schlag bekommt. Insbesondere, wenn es sich um ein Hochspannungskabel handelt, kann der Strom auch aus einigen Metern Entfernung auf den Menschen überspringen. Dann denjenigen mit einem Holzstiel oder einem anderen nicht-leitenden Gegenstand von der Stromquelle wegziehen und den Notarzt rufen. Ist der Betroffene bewusstlos, dann gilt – nachdem die 112 gewählt wurde: Erste Hilfe leisten.

Nicht gefährlich aber unangenehm sind Mini-Schläge. Wer die Türklinke umgreift oder den Pullover der Freundin anfasst, bekommt unter Umständen eine „geschmiert“. „Schuld daran ist eine elektrostatische Entladung“, erklärt der Bucher Mediziner. Schlurfen Mann oder Frau zum Beispiel über den Teppich, lädt sich ihr Körper durch die dabei entstehende Reibung elektrisch auf. Berühren sie dann einen Gegenstand, kann sich die körpereigene Spannung schlagartig entladen. Nur gut, dass der Funke beim ersten Romantik-Dinner nicht auf diese Art überspringt!


(Quelle: Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 08.10.2010)
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